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Es gibt einen Mythos bei Nutzern des World Wide Web, dass im Internet
bzw. WWW nur kostenlose Dienste angeboten bzw. benutzt werden sollten.
Eng damit zusammen hängt die Vorstellung, nur kostenlose Dienste seien
günstig. Vielleicht kommt dies aus der alternativen Anfangszeit des Netzes,
vielleicht ist es auch nur Gedankenlosigkeit, jedenfalls sollten Sie sich
das bei Recherchen noch einmal überlegen! Warum?
Auch kostenlose Dienste kosten letztlich etwas
Wenn vieles im World Wide Web kostenlos verfügbar ist,
so liegt das daran, dass
- vieles über Werbeeinnahmen finanziert wird (Beispiel: Suchmaschinen).
- es sich oftmals um Angebote handelt, die die durch eine kostenlose
Nutzung sich erst bekannt machen wollen. Zu einem späteren Zeitpunkt
aber werden sie auf kostenpflichtige Nutzung umgestellt
(Beispiel: diverse Zeitungen und ihre Archive).
- der Einstieg zu bestimmten Diensten kostenlos ist, weil man sich
erhofft, dass als Folge Geschäfte gemacht werden können
(Beispiele: Datenbanken mit nachgeschalteter kostenpflichtiger
Lieferung der Dokumente).
- der Aufwand von der Öffentlichkeit getragen wird,
wie z.B. bei manchen Datenbankangeboten amtlicher
Institutionen (Beispiel: Datenbanken des Bundestages).
Viele Dienste können aber nur dann angeboten werden, wenn sie sich
selbst tragen bzw. einen Gewinn abwerfen (wenn nur dann jemand Geld
und Zeit investiert). Es ist nicht moralisch verwerflich, wenn für
eine Leistung Geld verlangt wird, Sie sind in der Entscheidung frei,
ob Sie das in Anspruch nehmen wollen oder nicht. Es ist nur schade,
wenn Sie einen Dienst aus Vorurteilen heraus nicht in Anspruch nehmen,
obwohl Ihnen dies durchaus etwas brächte und auch die Kosten sich
hinsichtlich des Ergebnisses im Rahmen halten.
Abgestuft vorgehen
Versuchen Sie zunächst kostenlos an die gewünschten Informationen
zu kommen. Wenn dies gelingt, umso besser! Gelingt Ihnen dies aber
nicht oder ist das Ergebnis unbefriedigend, sollten Sie überlegen,
ob nicht doch der ein oder andere kostenpflichtige Anbieter
für Sie in Frage kommt!
Beispiel
Beispielsweise können Sie versuchen, auf der Suche nach Dossiers
zu einem etwas zurückliegenden Ereignis zunächst einmal in Zeitungen
zu suchen, die ihr Archiv kostenlos im World Wide Web zugänglich
machen. Wenn das Ergebnis jedoch unbefriedigend ist und Sie wissen,
dass beispielsweise die Süddeutsche Zeitung oder die
Frankfurter Rundschau Entsprechendes veröffentlicht hat,
so gehen Sie auf deren Homepage, suchen nach dem Archiv
und werden dann zu dem kommerziellen Datenbankanbieter geleitet,
der das Archiv online anbietet. Sie müssen sich dort dann anmelden,
die Geschäftsbedingungen akzeptieren und können dann recherchieren
und die Artikel einsehen, ausdrucken etc. Stellen Sie eine
Güterabwägung an: Wie viel kostet es Sie, in die Unibibliothek
zu gehen, sich die Mikrofilme geben zu lassen, diese durchzusehen,
zum ReaderPrinter zu gehen und den Artikel zu kopieren? An reinen
Kopierkosten recht wenig, das stimmt. An Zeit und Aufwand doch
recht viel, oder? Sie müssen abwägen, was Sie mehr kostet:
Der Preis für die Online-Recherche oder der Aufwand, in der
Bibliothek zu recherchieren und zu kopieren.
Noch gar nicht so bekannt ist der Dokumentlieferdienst
Subito,
der im deutschen Bibliothekswesen der nationale Provider für
Zeitschriftenartikel ist. Immer dann, wenn Sie eine wichtige
Literaturangabe zu einem Zeitschriftenaufsatz haben, den Sie
im lokalen Bibliothekssystem nicht bekommen, sollten Sie erwägen,
statt der Fernleihe Subito in Anspruch zu nehmen, um so schneller
an den gewünschten Aufsatz zu kommen. (Sie sollten freilich einen
einigermaßen leistungsfähigen Account haben, weil die gescannten
Seiten durchaus Dateien von mehreren MB ausmachen...)
Weitere kostenpflichtige Dokumentlieferdienste sind
JASON, jener der
British Library und
IngentaConnect,
eine riesige Zeitschriftendatenbank (kostenlos) mit angeschlossenem
Dokumentlieferdienst (kostenpflichtig) in den USA.
Bestellungen dort erfordern freilich Kreditkartennummern,
beachten Sie bitte, dass diese Zahlungsweise zwar allgemein
verbreitet, nichtsdestotrotz aber prekär ist...
Eine Übersicht über Dokumentlieferdienste finden sie
hier.
Unnötige Kosten vermeiden
Auch bei kommerziellen Anbietern vermeiden Sie unnötige Kosten,
indem Sie die Hilfetexte und die Informationen vorher aufmerksam
durchlesen. Was hilft es Ihnen, wenn Sie bei einem Datenbankanbieter
im Archiv einer Zeitung nach einem länger zurückliegenden Text
recherchieren, sonderbarerweise kein Ergebnis bekommen und danach
im Hilfetext lesen, dass dieses Archiv erst seit kurzem erst
angeboten wird? Deshalb sollte man jene Hilfstexte, die sowieso
angeboten werden, im eigenen Interesse auch zur Kenntnis nehmen!
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