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Internetquellen beurteilen

Ein Internet-Dokument enthält nicht von vornherein besonders wertvolle Texte/Daten!

„The Medium is the Message“ – diese falsche Charakterisierung der Medien durch Marshall McLuhan scheint sich manchmal am Beispiel des Internet zu bestätigen, wenn Studierende gläubig meinen, dass diese Zahl oder jenes Dokument aus dem Internet stamme, als sei das ein Garant für valide, aktuelle oder umfangreiche Daten oder Tatsachen. Das Gegenteil ist der Fall! Die Veröffentlichungsschwelle ist im Internet weitaus geringer als etwa im Buchwesen und so findet man denn auch jede Menge Schrott, der nicht unbedingt auf den ersten Blick zu erkennen ist. Gegenüber Quellen und Texten aus dem Internet ist wissenschaftliche Kritik genauso angesagt wie bei Quellen und Texten auf Papier (und schon das war geduldig!).

Wissenschaftliche Recherche im Netz braucht also Quellen-/Textkritik. Was könnten da geeignete Kriterien sein:

  • Ist der Herausgeber eine offizielle Organisation oder eher eine unbekannte Größe?
  • Ist der/die Autor/in zweifelsfrei zu erkennen, ist eine E-Mail- oder Postadresse angegeben, so dass man gegebenenfalls Rückfragen stellen kann?
  • Ist die Seite gut gepflegt? Ist die Aktualität zu erkennen? Wird eine angegebene Periodizität gewahrt?
  • Ist am Text selbst zu erkennen, ob er eher seriös (z.B. wissenschaftlich aufgebaut) oder tendenziell ist? Sind Lücken zu erkennen?
  • Wie ist der Text im Vergleich zu anderen (Internet- oder Papier-) Quellen?

Internettexte/-datenbanken sind nicht von vornherein vollständig

Oftmals ist der Umfang von Texten/Dokumenten/Archiven/Datenbanken schlecht oder gar nicht dokumentiert. Seien Sie deshalb misstrauisch, was die Ergebnisse von Recherchen anbelangt! Ein Beispiel: Eine Zeitung bietet ein 14-Tage-Archiv zum Recherchieren an. Per Zufall kommt man darauf, dass ein Text der Paper-Ausgabe gar nicht in diesem Kurz-Archiv enthalten ist. Auf Nachfrage bekommt man dann heraus, dass „Sonderrubriken“ nicht enthalten seien. Ein Blick auf den Originaltext zeigt, dass der Artikel weder typographisch noch von der Rubrik her besonders auffällig war. Eine weitere Nachfrage ergab, dass der Artikel intern dennoch einer „Sonderrubrik“ zugeordnet war, obwohl dies für NutzerInnen in keiner Weise zu erkennen ist. Ein anderes Beispiel, sind Bibliothekskataloge, die meist nur einen Ausschnitt des Bibliotheksbestandes (meist ab einem bestimmten Stichdatum alle Neuerwerbungen und dann noch Retrokonversionen) bieten. Will man vollständig suchen, muss man doch entweder Zettelkataloge oder Mikrofiche-Ausgaben benutzen.

  • Achten Sie jeweils auf Hinweise über den Berichtszeitraum/die Reichweite des Internetangebotes!

Die Recherche im Internet ist nicht von vornherein besonders effektiv

Überlegen Sie sich zu Beginn einer Recherche (und vielleicht auch mittendrin), ob Sie nicht auf anderem Wege schneller zum Ziel kommen. Manchmal ist es sinnvoller, zur Klärung einer bestimmten Frage ein Buch, ein Nachschlagewerk oder eine Zeitschrift zu konsultieren, anstatt Zeit bei der Recherche im Netz zu verbrauchen. Was bei welcher Fragestellung effektiver ist, lässt sich nicht von vornherein beantworten, sondern nur durch kritisches Nachdenken, indem man gemachte Erfahrungen bei einer Recherche mit einbezieht!

  • Halten Sie beim Recherchieren auch einmal inne und überlegen Sie, ob es alternative Möglichkeiten gibt, die eventuell schneller zum gewünschten Ergebnis führen.
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